Mit Autorität statt autoritär – wie Sie sich durchsetzen

Geschrieben von PRONOVUS am in Blog

Geschftsfrau hebt einen VorschlaghammerWie Sie sich durchsetzen, ohne unverschämt zu werden

(Beitrag von Michael Schmidt, Leadion)

Was können Sie als Führungsperson machen, wenn ein Mitarbeiter auch nach mehreren Kritik-Gesprächen nichts ändert. Dann bleibt nur noch die Abmahnung, und das ist ja dann wohl doch zu viel.

In Zeiten agiler Führung und eigenverantwortlich handelnder Mitarbeiter ist es natürlich unangebracht, in unverschämter Weise oder gar autoritär zu (re-) agieren. Zwischen dem freundlichen Gespräch und der Abmahnung gibt es jedoch ein weites Spektrum an Handlungsmöglichkeiten. Zum einen kommt es sicherlich darauf an, welche persönliche und/oder fachliche Autorität ich habe. Auch die Autorität meiner Position (Amtsautorität) kann ich einsetzen, indem ich etwas anweise.

Auf jeden Fall kann ich durch meine Wortwahl und mein Auftreten in der jeweiligen Situation die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass meinen Worten auch Taten folgen. Dabei kann das Modell der Aggressionsstufen nach Bach und Moosig1 hilfreich sein. Sie definieren Aggression nicht als etwas grundsätzlich schlechtes, sondern gehen von der lateinischen Bedeutung des Wortes aus:

Das Wort Aggredi drückt sowohl aus, dass ich etwas anpacke, eventuell auch angreife, aber auch aus mir heraus bzw. an jemanden herantrete bzw. etwas beginne.

Demzufolge unterteilen Bach und Moosig die Aggression in einen konstruktiven und eine destruktiven Teil, wie das folgende Schaubild zeigt:

[1] Streiten – aber fair; Konflikte gut und konstruktiv lösen, Freiburg 2003, S. 88

Wenn Sie also Ihre Vorstellungen und Ziele durchsetzen möchten, dann gehen Sie stufenweise vor:

1. Sich zeigen
Das bedeutet, dass Sie von sich erzählen und andere nehmen wahr, was Ihnen wichtig ist. Manchmal bekommen Sie schon allein dadurch einen Teil dessen, was Sie haben möchten. Mehr „aus sich heraustreten“ ist gar nicht erforderlich. Das machen Sie am besten in einem normalen, freundlichen Ton.

2. Wunsch oder Bitte
Wenn Ihnen etwas wichtig ist, äußern Sie einen Wunsch oder eine Bitte. Für viele Menschen ist das schon Anlass genug, Ihnen zumindest einen Teil davon zu erfüllen. Auch das machen Sie bitte in einem freundlichen Ton.

3. Erwartung
Sollten Wunsch oder Bitte nicht ausreichen (und das liegt nicht immer an mangelndem Wollen, sondern oft an unklarer Kommunikation oder anderen Prioritäten bei den Mitarbeitern), dann sollten Sie jetzt in ernstem Ton und möglichst klar Ihre Erwartungen äußern. Manche Mitarbeiter fangen jetzt erst überhaupt an zu begreifen, dass Sie es ernst meinen. Eine Erwartung eines Vorgesetzten zu enttäuschen ist schon eine andere Kategorie, als einen Wunsch zu ignorieren. Wichtig ist, dass Sie ernst und klar kommunizieren. Der Ton wird ebenfalls klarer, ohne rau zu sein.

4. Forderung/Abgrenzung
Wenn ein Mitarbeiter auch auf die Erwartung nicht entsprechend reagiert, dann gehen Sie auf die nächste Stufe der konstruktiven Aggression und fordern das Ergebnis oder Verhalten ein. Hier kann oder muss man auch von Fall zu Fall auf mögliche Konsequenzen (z. B. arbeitsrechtliche) hinweisen, wenn die Veränderung jetzt nicht eintritt. Außerdem muss der Mitarbeiter jetzt ein klares „Stop“ zu seinem bisherigen Verhalten hören. Der Ton ist klar und deutlich, und auch der Blick sollte klar machen, dass die Grenze des Geduldeten erreicht ist.

5. Gewalt
Die destruktive Form der Aggression vermeiden wir, und das ist gut so. Diese Gewalt kann sich gegen andere richten, oder ich unterdrücke gewaltsam meine Bedürfnisse, Triebe und Ziele mit der Folge, dass ich auf Dauer an den Folgen der gestauten Aggression zu leiden beginne oder dann irgend jemand, der gar nichts dafür kann, meine geballte gestaute Aggression abbekommt. Daher ist das gezielte Eskalieren (und Deeskalieren) entlang der Aggressionsstufen die bessere Wahl.

 

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